Tierarzt - Ja oder Nein?

Liebe Katzen- (und Tier-) halter, ich möchte für ein Thema sensibilisieren, welches jeden Tierhalter irgendwann treffen wird. Es geht um das Verhalten der Tierhalter bei einer möglichen, oder offensichtlichen Erkrankung des tierischen Mitbewohners.

In letzter Zeit lese ich immer häufiger in diversen Facebookgruppen und anderen Foren, dass Tierhalter bei möglichen oder offensichtlichen Erkrankungen ihrer Katzen, entweder zunächst sich selber an der Behandlung versuchen, oder um Tipps zu Hausmitteln oder Eigenbehandlungen ersuchen. Schlagen die Eigenbehandlungen nicht an, wird ebenfalls nach den Tipps und Hausmitteln, sowie "Erfahrungen" gefragt.

Kaum einer dieser Tierhalter ist sich bewußt, in welche Gefahr er seine Katze dadurch bringt, denn in der Regel schaden sie damit ihren Tieren mehr, wie dass sie ihnen tatsächlich helfen.

Es fängt schon mal bei den Hausmittelchen an. Was bei uns Menschen oder auch anderen Tieren hilft, kann für Katzen tödlich sein. Früher wurde Kamille als Allrounder verwendet, heute weiß man, dass es in einigen Fällen besser ist, auf Salbei zu setzen. Kamille, insbesondere als Tee, enthält u.a. Schwebstoffe, die gerade am Auge angewendet zu Entzündungen führen, anstatt gegen eine Bindehautentzündung zu helfen. Teebaumöl wird gerne bei Hunden gegen Flöhe und Zecken zur vorbeugenden Behandlung verwendet, für Katzen ist Teebaumöl meist tödlich.

Bei Augenverletzungen gibt es ebenfalls gravierende Unterschiede, in einigen Fällen wird eine kortisonhaltige Salbe notwendig, in anderen muss es eine antibiotische Salbe sein. Falsch eingesetzt nimmt der Tierhalter billigend in Kauf, dass seine Katze eventuell das Augenlicht verliert.

Ähnlich sieht es mit Arzneimitteln aus der Humanmedizin aus, ein beliebiges Schmerzmittel kann zum Tod eines Tieres führen. Spot-ons und Halsbänder für Hunde gegen Flöhe enthalten Stoffe, auf dieKatzen mit Vergiftungserscheinungen reagieren und welche ebenfalls zum Tode führen können.

Die Liste ist beliebig lang.

Hinzu kommt, dass die meisten Leser, weder eine tiermedizinische Ausbildung haben, noch anhand von ein paar Erklärungen in die Lage versetzt werden, eine richtige Diagnose zu stellen. Nicht ohne Grund dauert das Tiermedizinstudium mindestens 10 Semester, gefolgt von mehreren Jahren in Tierkliniken oder als Junior bei erfahrenen Tierarztpraxen. Weiterbildungen sollten für jeden Tierarzt zum Pflichtprogramm gehören, denn nicht nur die Medizinischen Hilfsmittel ändern und verbessern sich, sondern auch die Erkrankungen sind einen Wandel unterworfen. Selbst Tierärzte lehnen eine Ferndiagnose ab, wie können sich dann "Normalos" anmaßen, eine Behandlung zu empfehlen?

Natürlich muss man nicht gleich zum TA, wenn die Katze einmal einen Haarballen erbricht; selbst bei Durchfall kann man 24 bis 48 Stunden beobachten, sofern der Stuhl nicht mit Blut durchsetzt ist, oder andere Begleiterscheinungen vorhanden sind.

Grundsätzlich sollte gelten: Lieber einmal zu viel zum Tierarzt gehen, wie einmal zu spät. Eine einfache Untersuchung kostet meist nicht mehr wie 20 bis 25 Euro, Sie wissen dann in der Regel schon, was Ihrer Katze fehlt und erhalten einen Behandlungsplan. Mit dieser Diagnose zu fragen, wie man einen Heilungsprozess ggf. unterstützen kann, hat eine vollkommen andere Wertstellung.

Wenn jedoch der Patientenbesitzer erst tage-, oder manchmal sogar wochenlang selbst rumdoktert und gut gemeinte Ratschläge umsetzt, kann es fatale Folgen für das Tier haben, denn wertvolle Zeit ist verloren und Falschbehandlung kann die Diagnose verfälschen, denn die meisten werden nicht so ehrlich sein und Ihre Eigenversuche dem TA gestehen.

Meine dringende Bitte an alle Tierhalter, wenn Ihnen eine Veränderung, eine Verletzung, Unwohlsein, etc. an ihrem Tier auffällt, sollte der erste Gang immer der zum Tierarzt sein. Wenn eine Diagnose vorliegt, kann nach einer begleitenden Therapie gefragt werden, die aber auch wiederum nur in Rücksprache mit dem behandelnden Tierarzt angewendet werden sollte.

Das Wohl Ihres Tieres sollte es Ihnen wert sein.