Früh Kastriert?

Sicher haben Sie diesen Begriff schon mal gehört oder gelesen. Aber wissen Sie auch, was dieser eigentlich bedeutet? Dann kommt noch hinzu, dass immer mehr Züchter dazu übergehen, ihre Kitten nur noch früh kastriert abzugeben. Wissen Sie warum und was das für die Kitten bedeutet? Wenn Sie diese Fragen mit "Ja" beantworten können, gratuliere ich Ihnen und Sie brauchen eigentlich nicht weiter zulesen. Wenn Sie diese Fragen mit "Nein" beantworten, können Sie hier auf dieser Seite mehr darüber erfahren.

Früh Kastriert!

In der Regel hat der Züchter sich Gedanken darüber gemacht, warum er nicht will, dass mit dem Nachwuchs gezüchtet wird. Das kann viele Gründe haben, die von Jedem zu respektieren sind. Diese beschränken sich nicht nur auf die Qualitäten, wie Gesundheit, Charakter, genetische Anlagen, etc., sondern berühren auch persönliche Einstellungen des Züchters. Viele Züchter verkaufen ihre Kitten lieber an Liebhaber, mit dem Gedanken, dass die Kitten einen Platz auf Lebenszeit bekommen, geliebt und nicht ausgebeutet werden. Dabei ist oftmals ganz egal, ob die Kitten Zucht- und Showqualitäten haben.

Leider kommt es in letzter Zeit häufig vor, dass ein "angeblicher" Liebhaber versucht ein Kitten zur unkontrollierten und unkontrollierbaren Vermehrung zu "erschleichen", wohlwissend gegen den Willen des Züchters zu handeln. Deshalb gewinnt der Trend "Frühkastration" immer mehr an Bedeutung, bzw. wird immer öfter praktiziert.

Eigentlich kommt das Fazit immer erst am Ende, doch in diesem Fall nehme ich es gerne vorweg:

Frühkastrierte Kitten sind vor Ausbeutung in Form von Gebär- und Deckmaschinen geschützt, denn für einen Vermehrer sind sie ja "wertlos", da sie nicht mehr zur Reproduktion herangezogen werden können.

Ein wirklicher Liebhaber erhält ein "Rund-um-Sorglos-Paket". Die Kitten sind über 12 Wochen alt, entsprechend sozialisiert, mehrfach geimpft und natürlich kastriert. Kater können in der Regel 3 bis 4 Tage nach der Frühkastration in ihr neues Zuhause umziehen, Katzen meistens nach 10 bis 14 Tagen.

Der Züchter trägt alleine das Narkose- und Operations-Risiko.

Sicherlich ist der Anschaffungspreis für ein frühkastriertes Kitten höher, aber dem Kittenkäufer entstehen auch keine Zusatzkosten für Impfungen und Kastration, die er bei dem Kauf eines Kittens ohne Impfung, Entwurmung und/oder Kastration noch zum Anschaffungspreis hinzurechnen muss.

Wenn Sie also demnächst ein Angebot für ein frühkastriertes Kitten bekommen oder sehen, sagen Sie nicht gleich "Nein", sondern denken Sie bitte daran, dass Sie viele Vorteile geniessen und es zum Wohle des Kittens ist.

Immer noch existieren weit verbreiteten Irrtümer bzw. Ammenmärchen.

Der erste Irrtum lautet:

Ein Kater wird kastriert, eine Katze wird sterilisiert

Tatsächlich ist es so, dass sowohl eine Katze, wie auch ein Kater, entweder sterilisiert, kastriert, oder eine totale OP gemacht werden kann.

Zudem besteht bei Katern die Möglichkeit der „chemischen“ Kastration. Bisher ist das verwendete Medikament offiziell nur bei Hunden zugelassen, wird jedoch vermehrt von Züchtern eingesetzt, die ihrem Kater oder den Katzen mal eine Zuchtpause gönnen wollen, ohne den letzten endgültigen Schritt der chirurgischen Kastration zu gehen. Da dieses „chemische, zeitlich begrenzte“ Verfahren im Vergleich zur chirurgischen Kastration sehr teuer ist, lohnt sich der Einsatz jedoch für den „Liebhaber“ nicht.

Hinter den Begriffen verbergen sich unterschiedliche Eingriffe:

Das Wort „Sterilisation“ bedeutet, dass bei einem Kater die Samen- und bei einer Katze die Eileiter durchtrennt oder abgebunden werden. Sowohl die Hoden, als auch die Eierstöcke, verbleiben im Körper des jeweiligen Tieres und produzieren weiterhin Geschlechtshormone.

Im Grunde genommen handelt es sich um weiterhin potente, aber unfruchtbar gemachte Kater und Katzen, die ihrem hormongesteuerten Instinkt und damit den Regeln der Natur versuchen nachzukommen. Sie wurden nur auf chirurgischem Wege unfruchtbar gemacht. Ein sterilisierter Kater verhält sich wie ein potenter Kater, mit allem was dazu gehört, wie ggf. die Umgebung zu markieren, oder Katzen zu decken. Eine sterilisierte Katze hat einen ganz normalen Zyklus, mit Rolligkeit und bei erfolgter Deckung des Eisprunges.

Das Wort „Kastration“ bedeutet hingegen, dass bei einem Kater die Hoden (Orchiektomie) und bei einer Katze die Eierstöcke (Ovarektomie) chirurgisch entfernt werden. Damit wird die Produktion von weiteren Geschlechtshormonen unterbunden.

Im Gegensatz zu einem sterilisiertem Kater, ist ein kastrierter Kater ca. 6 bis 8 Wochen nach der Kastration nicht mehr an dem „weiblichen“ Geschlecht und der Fortpflanzung interessiert; eine kastrierte Katze bekommt in der Regel auch keinen Zyklus mehr, wird also nicht mehr rollig. Beide sind nach einer Kastration nicht mehr „Hormongesteuert“.

Sowohl bei der Sterilisation, als auch bei der Kastration, eines Katers muss beachtet werden, dass dieser in beiden Fällen noch mindestens 4 bis 6 Wochen nach dem Eingriff Zeugungsfähig ist. Das liegt daran, dass sich nach dem Eingriff in den Samenleitern immer noch befruchtungsfähige Spermien befinden, die mit der Zeit ausgeschieden werden. Eine Katze hingegen ist sofort unfruchtbar. Gerade wenn Sie ein Geschwisterpärchen erwerben, sollten Sie deshalb zunächst die Katze frühzeitig kastrieren lassen, damit es nicht zu einer ungewollten Schwangerschaft kommt.

Die "Total-Operation" bei einer Katze (Ovariohysterektomie) bedeutet hingegen nichts anderes, wie die gleichzeitige chirurgische Entfernung der Eierstöcke und der Gebärmutter. Eine Total-Operation ist aber nur bei medizinischer Indikation (Gebärmuttervereiterung, Krebs, etc.) angeraten. Bei einem Kater bedeutet eine Total OP (Skrotektomi) die Entfernung von Hoden und Hodensack.

Wenn Sie ihre Katze, oder ihren Kater, zum Tierarzt zur „Unfruchtbarmachung“ bringen, wird dieser in der Regel eine Kastration vornehmen. Bis die restlichen, vorhandenen Geschlechtshormone vom Körper des Tieres vollständig abgebaut sind, kann einige Zeit vergehen. Es kommt immer auf das einzelne Tier an, bei einigen ist dieser Zeitpunkt schon nach zwei Wochen, bei anderen erst nach 6 oder 8 Wochen, erreicht.

Der zweite Irrtum lautet:

Eine Katze muss mindestens einmal in ihrem Leben Kitten bekommen haben

Diese Annahme wird sogar immer noch von manchen Tierärzten vertreten, aber bisher konnte mir noch niemand die Frage beantworten, warum das so sein sollte.

Kommen wir nun zu der Erklärung der Unterschiede von Kastriert und Früh Kastriert.

Von einer Kastration wird in der Regel gesprochen, wenn ein Kater oder eine Katze, nach dem Eintritt der Geschlechtsreife unfruchtbar gemacht (kastriert) wird.

Mit der Frühkastration ist der Eingriff vor dem Eintritt der Geschlechtsreife gemeint.

Je nach Rasse findet die Geschlechtsreife früher oder später statt. Manche sind schon mit 4 bis 5 Monaten geschlechtsreif und damit Fortpflanzungsfähig, andere erst mit 9 oder 10 Monaten, oder noch später.

Es hält sich auch immer wieder das Gerücht, dass frühkastrierte Katzen und Kater kleiner, als ihre nicht oder spät kastrierten Artgenossen, bleiben. Das stimmt so aber auch nicht, denn das Größenwachstum ist zu 99 % bereits mit der Verschmelzung der Ei- und der Samenzelle genetisch festgelegt.

Eher das Gegenteil ist der Fall, denn da die Wachstumsfugen sich wegen dem fehlenden Geschlechtshormon, je nach dem Zeitpunkt der Frühkastration, später schließen, werden die frühkastrierten Jungtiere geringfügig größer. Dieses „Größer“ ist aber im kaum sichtbaren Bereich angesiedelt. Auch der Katerkopf ist nicht abhängig vom Zeitpunkt der Kastration.

Weiterhin wird manchmal angegeben, dass bei frühkastrierten Katern der Harnröhrendurchmesser geringer ausfällt. Wissenschaftliche Untersuchungen dagegen belegen, dass sich der Harndurchmesser bei frühkastrierten Katern nicht von den Vergleichsgruppen unterscheidet. Wenn der Harnröhrendurchmesser bei einem Kater mal zu gering ausfällt, muss es wohl doch eine genetische Veranlagung sein und wäre, meiner Meinung, auch aufgetreten, wenn der Kater nicht frühkastriert worden wäre.

Es gibt Tierärzte, die keine Frühkastration vornehmen. Die Gründe dafür sehe ich aber eher darin, dass bisher üblicherweise Katzen und Kater erst im Alter von mehr wie 6 Monaten kastriert und eher weniger Frühkastrationen vorgenommen wurden, weil oft einfach die Erfahrungen fehlen. – Obwohl, die gleichen Tierärzte kastrieren auch Kaninchen, Meerschweinchen, oder Hamster und gerade die letzteren beiden Gruppen sind noch viel kleiner, als ein Kitten von 12 bis 20 Wochen.

Die Vorteile der Frühkastration liegen für mich auf der Hand:

Die Kitten vertragen die Narkose im Allgemeinen besser und schneller als halbwüchsige oder erwachsene Katzen und Kater.

Dadurch, dass bei den Kitten sprichwörtlich noch kein „Fettansatz“ (Unterfettgewebe) ausgebildet ist, kann der Tierarzt minimal invasiv arbeiten, denn er braucht das Unterfettgewebe nicht erst auf die Seite zu schieben, weil noch nicht viel da ist.

Dadurch wiederum kann die Narkosezeit erheblich verringert werden und auch der OP-Schnitt ist kleiner und heilt schneller ab. Nicht zu vergessen ist auch, dass bei einem im Wachstum befindlichen Körper die Heilung sowieso viel schneller von Statten geht, als bei einem Erwachsenen, bei dem die Erneuerung der Zellen viel langsamer abläuft.

Gerne verweise ich in dem Zusammenhang auf die folgende Seite:

http://www.cat-care.de/fruehkastration.pdf


Bitte lesen Sie auch die folgenden Seiten:

Frühkastration von Katzen unter Tierschutzgesichtspunkten

Von Dr. Willa Bohnert, Tierschutzzentrum der Tierärztlichen Hochschule Hannover
(Vortrag gehalten aus Anlaß der Internationalen Katzenausstellung am 6./7.12.1997 in Hannover-Misburg)

Einleitung
Die Frage nach dem "optimalen Zeitpunkt" für die Durchführung der Kastration als Maßnahme zur Empfängnisverhütung entfacht unter Fachleuten immer wieder rege Diskussionen. Dabei geht es um die Frage, ob es günstiger ist, Katzen vor oder nach Erreichen der Geschlechtsreife zu kastrieren. Die Argumente für und gegen die Kastration vor der Geschlechtsreife beziehen sich primär auf die technische Umsetzung und mögliche Folgeschäden. Auch emotionale Einwände und ethische Bedenken spielen eine Rolle. Seit etwa zwei Jahren wird die Thematik durch die insbesondere in den USA propagierte Kastration von Katzenwelpen im Absatzalter erweitert. In den USA besteht eine gewaltige Überpopulation von Katzen und Hunden, deren Folge die Euthanasie von durchschnittlich 20 Millionen streunender Tiere jährlich ist. Daraus resultiert die Beschreitung immer neuer Wege der Empfängnisverhütung.

Begriffsdefinition
Die Kastration ist die chirurgische Entfernung der Keimdrüsen. Geschlechtsspezifisch ist von der "Ovarektomie", also der Entfernung der Eierstöcke beim weiblichen Tier und der "Orchiektomie", der Entfernung der Hoden beim männlichen Tier, zu sprechen. Frühkastration bezeichnet die Kastration bei jungen, geschlechtlich nicht ausgereiften Tieren. Dabei kann es sich um die Kastration im Absetzalter, also mit 8-14 Wochen, oder um die Kastration vor dem Einsetzen der Geschlechtsreife (Pubertät) handeln. Der Pubertätsbeginn bei der Katze variiert von Tier zu Tier und ist ebenfalls abhängig von der Rasse und vom Geschlecht. Bei der weiblichen Katze beginnt die Pubertät im Alter von 4-21 Monaten, beim Kater im Alter von 6-8 Monaten.

Warum Frühkastration?
In den letzten Jahren steigt ständig die Zahl der streunenden oder verwilderten Katzen. Diese Tiere machen 70% der in Tierheimen eingelieferten Katzen aus. Die geradezu sprichtwörtliche Fruchtbarkeit der Katze wird ihr in der heutigen Zeit zum Verhängnis. Bedenkt man, daß ein Katzenpaar pro Jahr im Druchschnitt 3 Welpen bekommen kann, so vergrößert sich die Katzenpopulation innerhalb von 10 Jahren auf ca. 80 Millionen Tiere. In einem großen Katzenbestand können sich Krankheiten leicht und schnell ausbreiten. Hier zeichnen sich Entwicklungen ab, die die Kastration als Methode zur sicheren und dauerhaften Unfruchtbarmachung in den Vordergrund rücken, um einer Überbevölkerung von Katzen wirksam vorzubeugen oder entgegenzuwirken, um nicht auf amerikanische Verhältnisse hinzusteuern. Die Kastration von freilebenden Katzen und nach Möglichkeit auch all derer, die zu einer Familie gehören, stellt derzeit die einzige Möglichkeit dar, das Anwachsen der freilebenden Katzenpopulationen und die damit verbundene Verelendung der Tiere zu verhindern. Die Erfahrung hat gezeigt, daß Privathalter, die eine junge Katze aus dem Tierheim aufnehmen, häufig "vergessen", das Tier kastrieren zu lassen. Für die Tierheime ist es daher wichtig, nur kastrierte Katzen weiterzuvermitteln. Da sich freilebende Katzen, die einmal eingefangen wurden, nur schwer erneut einfangen lassen, kann es bei diesen Tieren nötig sein, sie bereits in jungem Alter zu kastrieren. Vor diesem Hintergrund kann die Kastration als aktive Maßnahme des Tierschutzes angesehen werden.

Effekte der Frühkastration auf die körperliche Entwicklung
Effekte der Kastration von Welpen im Absetzalter wurden bisher nur bis zu einem Lebensalter von 24 Monaten durch Studien überprüft. Welche Folgen diese Form der Frühkastrtion im weiteren Leben hat, ist bisher nicht hinreichend bekannt. Die Narkose und der chirurgische Eingriff an sich stellen für Welpen kein erhöhtes Risiko dar. Folge der Frühkastration ist, daß sich die Wachstumsfugen der Knochen später als normal schliessen, die Tiere werden infolgedessen größer. Kastrationsbedingt ist die Stoffwechselaktivität verringert, so dass es zu einer nachweislich erhöhten Zunahme des Körperfetts und damit des Körpergewichts kommt (um ca. 1kg). Unabhängig vom Zeitpunkt der Frühkastration fällt eine Verringerung der Agressivität untereinander und eine vermehrte Anschmiegsamkeit gegenüber den betreuenden Personen auf. Mit 7 Wochen oder 7 Monaten kastrierte Kater weisen im Alter von 22 Monaten ähnliche Harnröhrendurchmesser auf wie nicht kastrierte Kater. Dieser Punkt ist wichtig im Hinblick auf Harngriesbildung bei Katern. Während sich bei nichtkastrierten Katern im Alter von 22 Monaten der Penis vollständig aus dem Präputium (Vorhaut) vorlagern läßt, ist dies nur bei 60% der mit 7 Monaten und bei keinem der mit 7 Wochen kastrierten Tieren möglich. Langfristige Effekte dieser Entwicklungsstörung sind noch nicht abzusehen. Dasselbe gilt für den Harnröhrendurchmesser weiblicher Katzen, der im Alter von 22 Monaten nach Kastration im Welpenalter deutlich geringer ist als bei nicht kastrierten Tieren. Unerwünschte Folgen der Kastration, auch im späteren Lebensalter, sind insbesondere bei langhaarigen Rassen qualitative Fellveränderungen ("Welpenfell"). Zusammenfassend sind diese Ergebnisse dahingehend zu beurteilen, dass soweit bisher bekannt ist, die Frühkastration von Katzen keine unmittelbaren Schäden verursacht, aber das Erscheinungsbild, das Verhalten und möglicherweise auch einzelne Organfunktionen im Erwachsenenalter von denen geschlechtlich intakter Tiere abweichen.

Fazit
Nach Abwägung aller Faktoren läßt sich sagen, dass die Frühkastration nach dem heutigen Kenntnisstand eine vertretbare Maßnahme ist, um der Zunahme von verwilderten Katzen und den daraus für die Tiere entstehenden Schmerzen, Leiden und Schäden entgegenzuwirken.
Dr. Willa Bohnet, Tierschutzzentrum der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Bünteweg 2, 30599 Hannover, Tel.: 0511- 9538142, Fax: 0511- 9538056

Weitere Informationen zum Thema Kastration finden Sie auch unter:

http://www.odo.in-berlin.de/kastration.html

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http://www.loetzerich.de/KIN/catcare/kastration/kastration.html